Werkstatt für innere Bilder, Systemaufstellungen, Ulrike Kadar
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Für alle, die den Begriff Systemaufstellung noch nie gehört haben: Gibt es ein Konzept, das hinter dieser Methode steht?

„Systemisch“ auf eine Situation oder eine Person zu schauen, bedeutet nichts anderes, als dass ich das, was ich betrachte, als ein System auffasse, das aus einer Vielzahl von Vernetzungen besteht, und das als Ganzes auch wieder Teil eines größeren Netzwerks ist. Wir Menschen z.B. bewegen uns in zahlreichen, unterschiedlichen Beziehungssystemen familiärer, beruflicher, gesellschaftlicher und kultureller Art, in denen wir verschiedene Strukturen und Muster leben. Auch unser Körper ist so gesehen ein Kunstwerk aus körperlich-seelisch-geistigen Vernetzungen, die miteinander ein organisches System bilden.


Gerät nun eines unserer Systeme aus dem Gleichgewicht und lässt sich nicht mit den uns bekannten Denk- oder Verhaltensmustern regulieren, geraten wir ins Stocken und fühlen uns blockiert. In einer Aufstellung kommen die verschiedenen Anteile, die für die Struktur des belastenden Systems relevant sind, in den Blick, weil sie mithilfe von Personen (Stellvertretern) im Raum aufgestellt werden. Über die Anordnung der Stellvertreter zueinander wird ein Beziehungsgeflecht sichtbar, das der Struktur unseres inneren Konfliktes entspricht. Das Auslagern und Verkörpern der beteiligten Anteile ermöglicht es uns, die Vernetzungen unseres Systems aus der Außenperspektive heraus zu betrachten und die einzelnen Anteile zu bewegen. Verändert ein Anteil seine Ausrichtung, sind andere Anteile davon betroffen und verändern möglicherweise auch ihre Position – ähnlich einem Mobilé. Über tastende Suchbewegungen der einzelnen Stellvertreter wandelt sich allmählich das Beziehungsgefüge, bis jeder Anteil für sich selbst und in Beziehung zu den anderen einen guten Platz gefunden hat.

 

Kurz: Die Struktur eines inneren Konfliktes wird nach außen verlagert und sichtbar gemacht. Die einzelnen Anteile, aus denen sich der Konflikt zusammensetzt, werden anhand von Personen (Stellvertretern) im Raum aufgestellt. Über die Anordnung zueinander entsteht ein Beziehungsgefüge, das von verschiedenen Perspektiven aus betrachtet und bewegt werden kann. Richtet sich ein Anteil neu aus, sind die anderen davon betroffen. So wandeln sich allmählich die Beziehungsmuster, bis sich alle Strukturanteile in einer guten Balance miteinander befinden.

Wie funktioniert eine Systemaufstellung?

Nach einem Vorgespräch, in dem die Fragestellung geklärt wird, stellt ein Klient sein Anliegen auf. Er sucht sich aus der Gruppe Stellvertreter für die verschiedenen Anteile seines Systems und gibt ihnen, seinem inneren Bild und seiner Intuition folgend, nacheinander einen Platz im Raum. Allmählich entsteht eine spezifische Anordnung von Stellvertretern, die auf unterschiedliche Art einander zu- oder abgewandt stehen.

 

Im aufgestellten Beziehungsgefüge entsteht ein Energiefeld, über das die Stellvertreter Empfindungen, Gefühle und Symptome wahrzunehmen beginnen, die mit dem inneren Konflikt des Anliegenbringers korrespondieren. Dieses Phänomen nennt man repräsentierende oder auch stellvertretende Wahrnehmung. Es entsteht unabhängig von Wissen und Fakten allein durch die räumliche Ausrichtung der Stellvertreter zueinander und lässt sich beispielsweise auch in verdeckten Aufstellungen beobachten. Diese Resonanzphänomene sind von grundlegender Bedeutung für die Aufstellungsarbeit. In welche Richtung sich eine Aufstellung entwickelt, orientiert sich im wesentlichen an den Unterschieden in der Körperwahrnehmung der Stellvertreter: Was spüren sie an ihren Plätzen? Wer von ihnen hat einen Impuls, einen Schritt zu tun? Und wohin? Geht es ihm am neuen Platz besser, schlechter, gleich oder einfach anders? Und wie reagieren die anderen auf die Neuausrichtung?


Jede Bewegung hat Auswirkungen auf die gesamte Struktur, und der verkörperte Prozess macht diese Auswirkungen für den Klienten mit allen Sinnen erfahrbar. Er sieht, hört, tastet und begreift, inwiefern ein versuchter Schritt tatsächlich eine gewünschte Wirkung erzielt oder vielleicht sogar ins Gegenteil führt. Immer mit dem Anliegen des Klienten im Hinterkopf werden die einzelnen Anteile der aufgestellten Struktur in ihren Lösungsbestrebungen unterstützt. Ein gutes Ergebnis lässt sich oftmals an der Erleichterung der Stellvertreter ablesen, sobald sie ihre Beziehungsstruktur untereinander als klar und sortiert erleben. Der Klient nimmt über die Außenperspektive auf das Geschehen die Vernetzungen in seinem System anders wahr, erspürt tiefere Sinnzusammenhänge, findet zu neuen Bewertungen und erhält unerwartete Lösungsideen.

Was wäre ein typisches Problem, und wie könnte eine Aufstellung bzw. Lösung dazu aussehen?

Systemaufstellungen können für eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Herausforderungen hilfreich sein. Berufliche und organisatorische Fragestellungen können genauso von einem Blick ins System profitieren wie private Anliegen, die Familie, Partnerschaft oder Gesundheit betreffen. Je nach Fragestellung wird eine Aufstellung sehr unterschiedlich aussehen. Für ein großes Unternehmen vertritt ein Stellvertreter durchaus mal eine ganze Abteilung, in gesundheitlichen Fragen kann es Stellvertreter von Körperteilen oder Symptomen geben, für eine Entscheidungsfindung können Stellvertreter auch abstrakte Elemente oder konkrete Orte darstellen, bei Fragen zur Integration sich widersprechender Persönlichkeitsanteile übernehmen gleich mehrere Stellvertreter unterschiedliche Altersstufen ein und derselben Person usw.


Eine vage Gemeinsamkeit ist bei einigen Anfragenden dennoch zu beobachten: Sie haben schon alles probiert, sie kennen ihren Konflikt bis ins Detail, sie haben keinen Versuch ausgelassen, um eine gute Lösung zu finden, und dennoch gelingt ihnen die gewünschte Veränderung nicht. Dann wächst die Bereitschaft, seelische Aspekte bewusster in die Lösungsfindung einzubeziehen. Ein Patentrezept für eine Lösung gibt es allerdings nicht. Das ist aber auch eine Stärke an dieser Methode. Denn jedes Anliegen ist einzigartig, und jeder kleine Schritt in Richtung Lösung individuell.

Was ist im allgemeinen das Ziel einer Systemaufstellung?

Bildlich gesprochen liegt das Ziel einer Systemaufstellung darin, ein Boot, das irgendwo festgefahren oder auf eine Sandbank aufgelaufen ist, einmal kurz anzuheben und einen Schritt weiter wieder auf dem Wasser abzusetzen, damit es zurück in den Strom findet. – Es geht nur um einen ersten Schritt in eine bewusstmachende und Perspektiven eröffnende Richtung.

An wen richtet sich das Seminarangebot?

Das Seminarangebot richtet sich an junge, mittlere sowie reife Erwachsene. Es ist gedacht für Menschen, die ihre gewohnten Verhaltensmuster, Denkmodelle und Handlungsstrategien um körperlich-seelische Aspekte erweitern möchten, um sich auch solchen Herausforderungen gewachsen zu fühlen, die sich allen bisherigen Lösungsversuchen gegenüber resistent gezeigt haben. Es richtet sich an Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden, und denen jeder nächste Schritt falsch, zu schwer oder zu anstrengend erscheint. Es möchte Menschen ansprechen, die Lösungen aus sich selber heraus entwickeln möchten und dafür Unterstützung suchen. Es ist für jeden gedacht, der körperliche Störungen aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachten möchte, um Veränderungen anzuregen. Und es möchte Menschen erreichen, die sich Impulse wünschen, um ihre vermisste innere Leichtigkeit und Stimmigkeit wieder zu entdecken. Des weiteren sind alle Anfragenden willkommen, die einfach wissbegierig sind, die Aufstellungsarbeit einmal kennenzulernen. Und natürlich ist es auch Sinn und Aufgabe des Vorgespräches, einzuschätzen, ob für das geschilderte Anliegen eine Aufstellung hilfreich sein kann oder eher nicht.

Für manche klingt das Ganze vielleicht etwas abstrakt – wie könnte z.B. die Begegnung mit einem Skeptiker ablaufen?

Das kommt sehr darauf an, mit welchen Wünschen mir jemand gegenübertritt. Möchte mein Gesprächspartner mit der Methode eigentlich nichts zu tun haben, dann spüre ich ja sein Unwohlsein und seine Abneigung. Das respektiere ich. Ich bin schließlich selber fast zehn Jahre um das Aufstellen herumgeschlichen, habe mir abschreckende Berichte von Freundinnen angehört und bin dem ganzen Themenfeld aus dem Weg gegangen. Es fällt mir also nicht schwer, Skepsis zu respektieren. Im Gegenteil, Skepsis ist sogar wichtig. Schließlich horcht jeder Mensch, der gut für sich sorgt, auf seine inneren Stimmen, auf seine Intuition, und meines Erachtens wäre es falsch, ihn von etwas anderem überzeugen zu wollen.


Oft werde ich von Menschen angesprochen, die das eine oder andere über die Aufstellungsarbeit gehört haben und von den Erzählungen seltsam berührt sind. Sie treten auf mich zu mit einem Gemisch aus verstörenden, skeptischen, kritischen aber auch vorsichtig faszinierten Gefühlen und einer Menge an Fragen. Diesen Menschen höre ich erst einmal zu. Es muss immer Platz sein, um Befürchtungen und Ängste zu benennen und aufzufangen. Ich nehme mir viel Zeit und Ruhe, um mit meinem Gegenüber ausführlich über Vorgehensweisen und Phänomene in der Aufstellungsarbeit zu sprechen. Ob jemand schließlich auch in mein Seminar kommt, ist offen. Je nach Gemütslage biete ich Anfragenden auch an, zunächst als Stellvertreter ohne eigenes Anliegen am Gruppenseminar teilzunehmen, um herauszufinden, ob die Methode ihm liegt.

 

Mir ist es wichtig, dass meine Klienten wissen, dass ich keine Ideologie verfolge, was in den frühen Anfängen der Aufstellungsarbeit teilweise vorgekommen ist. Sie müssen wissen, dass es nicht um Bewertungen und Urteile, um richtig oder falsch geht, sondern um das Erkennen und Bewusstmachen von Mustern, um Sinnzusammenhänge herzustellen. Ich begleite Aufstellungen behutsam und immer in Rücksprache mit dem Klienten, nie gegen seinen Widerstand. Wenn sich Lösungen ergeben, kommen sie aus dem System des Klienten, sind also seine Lösungen, nicht meine.

Wie ist die Erfolgsquote? Reicht eine Aufstellung in manchen Fällen aus, um ein Problem zu lösen?

In einer Aufstellung ist es möglich, angedachte Lösungswege einfach mal auszuprobieren und direkt zu beobachten, welche Veränderungen sich jeweils für das Beziehungssystem ergeben. Alleine dieses experimentelle Probehandeln wird oft als erleichternd erlebt, da auf einmal dort, wo vorher nur Blockade war, Perspektiven sichtbar werden. Eine Aufstellung besteht ja im Grunde genommen aus Lösungsbestrebungen und Lösungsbewegungen der Stellvertreter. Der Klient kann diese Suchbewegungen unmittelbar mitverfolgen und nachempfinden, wodurch er seinen Konflikt als veränderbar wahrnimmt und ihm auch seine Selbstwirksamkeit deutlich wird. Haben am Ende der Aufstellung alle Stellvertreter einen guten Platz gefunden, fühlt sich das gesamte Beziehungsgeflecht leichter und ausgeglichener an. Der Klient hat miterlebt, wie sein blockiertes System wieder ins Fließen gekommen ist, er hat Schritte in eine mögliche Lösung beobachtet. Durch diese Erfahrung wächst in ihm die Zuversicht, seinen Konflikt auch im realen Leben auf einen guten Weg bringen zu können.

 

Eine Aufstellung zeigt symbolisch mögliche Lösungsschritte auf, aber mit ihr ist die Lösung nicht vollbracht, sie macht nur den Anfang für einen Prozess, der sich in der Außenwelt erst entfalten möchte. Wie der Klient letztendlich mit dem Wissen aus der Aufstellung umgeht, bleibt ihm überlassen. Für viele Anliegen reicht eine Aufstellung, um neue Impulse und Perspektiven auf das eigene Thema zu erhalten. Für schwere Anliegen kann eine Aufstellung eine Etappe sein. In diesen Fällen empfiehlt es sich, die Aufstellung in einen therapeutisch begleiteten Prozess einzubetten.

Kann eine Seminarteilnahme eine Psychotherapie ersetzen? 

Nein. Eine Systemaufstellung kann keine Psychotherapie ersetzen. Menschen, die sich in einer seelisch labilen Gemütslage befinden, würde ich keine Aufstellung empfehlen. Im Zweifelsfall würde ich einen Klienten bitten, bei seinem Therapeuten nachzufragen, wie dieser seine seelische Stabilität einschätzt, und ob er eine Aufstellung eher befürwortet oder davon abrät. Auch eine medizinische Diagnose und eine kompetente Heilbehandlung können nicht durch eine Aufstellung ersetzt werden. Die Aufstellung ergänzt das Wissen aus den anderen Bereichen lediglich mit einem Blick, der das soziale Umfeld, prägnante Beziehungsmuster und tiefer liegende seelische Tendenzen speziell dieses Menschen mit einbezieht.

Welche Rolle spielt die Erfahrung in der Gruppe? 

Die Gruppe ist wichtig, denn sie gewährleistet den sicheren Rahmen, der diese tiefgehenden Prozesse ermöglicht. Jeder einzelne hat da eine Aufgabe, jeder trägt mit und ist eingebunden. Aufstellen schafft große Nähe und ein dichtes Gemeinschaftsgefühl. Für die Anliegenbringer, die ihre Themen in die Gruppe geben, sind die anderen Gruppenteilnehmer besonders wichtig. Sie müssen ihnen vertrauen können, sonst können sie nicht mit ihnen arbeiten. Eine wertschätzende und respektvolle Gruppenatmosphäre aufzubauen ist für die Aufstellungsarbeit eine unbedingte Voraussetzung.


Ich persönlich bearbeite auch eigene Lebensthemen am liebsten in einer Gruppe. Die Vielzahl an Perspektiven, die in einer Gruppe zusammenfließen, bilden einen breiten Erfahrungshorizont, von dem der Hilfesuchende außerordentlich profitieren kann. Gleichzeitig kann es als große Entlastung empfunden werden, sein schmerzliches Thema mit anderen zu teilen und die Erfahrung zu machen, damit nicht alleine in der Welt zu sein.

Was hat ein Teilnehmer davon, als Stellvertreter ohne eigenes Anliegen an den Gruppenprozessen teilzunehmen?

Teilnehmer ohne eigenes Anliegen tauchen in die Aufstellungsprozesse ein, sobald sie als Stellvertreter ausgewählt werden. Obwohl die Aufstellung das Beziehungssystem eines anderen Menschen widerspiegelt, so sind doch die Empfindungen, die ein Stellvertreter in diesem „fremden“ Energiefeld zu spüren in der Lage ist, die eigenen. Sein Körper mitsamt aller in ihm gespeicherten Erinnerungen und Erfahrungen schwingt mit, geht in Resonanz. Ähnlich wie beim Eintauchen in einen Kinofilm, in dem wir verschiedenste Körperempfindungen durchleben, die zwar nicht der eigenen Geschichte entspringen, aber doch eigene Empfindungen sind. Nur vor dem Hintergrund unserer persönlich geprägten Geschichte berührt und bewegt uns die fremde Geschichte. Als Stellvertreter in einer Aufstellung wird uns eine fremde Geschichte nicht nur erzählt, sondern wir gehen direkt hinein und werden für kurze Zeit symbolisch Teil der Struktur. Erleben wir innerhalb dieser Struktur – über die tastende Suche nach Unterschieden in der Körperwahrnehmung aller Stellvertreter – lösende Bewegungen, so spüren wir, wie auch aus unserem eigenen Körper Spannungen weichen und Erleichterung eintritt.

 

Als Stellvertreter durchlaufen wir die fremden Prozesse also mit und beschenken uns nebenbei mit der Erfahrung, dass es sich lohnt, unser intuitives Körperwissen zu befragen, um auf übersehene Lösungsperspektiven aufmerksam zu werden. Nicht selten profitieren Teilnehmer vom Stellvertreten, weil die Rolle, für die sie ausgewählt wurden, auch ein eigenes Thema streift. Manchmal stellt sich im nachhinein auch heraus, dass über die Auseinandersetzung mit dem fremden Anliegen gleichzeitig ein eigenes mit geklärt wurde.

Werkstatt für innere Bilder, Systemaufstellungen, Ulrike Kadar